Unser Klima: in 30 Jahren vom Weichei zum harten ökonomischen Faktum

Ökonomischer Faktor KlimaSeit der ersten Klimakonferenz in Rio 1992 ist das Klima ein globales Thema. Es wird seither ständig diskutiert und wenig getan. Es ist ein „weiches“ Thema: wir alle finden die Umwelt wichtig und machen uns Sorgen um das Klima. Aber wenn es um harte Entscheidungen geht, schauen wir natürlich auf den harten Euro. Der ökonomische Faktor Klima existierte lange Zeit nicht.

Finanzkrise

Nach der Wirtschaftskrise von 2009 hat sich für gut 10 Jahre der Focus vom Klima wegbewegt. Die Wirtschaft stand im Vordergrund und sollte wieder wachsen. Anstrengungen für mehr Wachstum hatten oberste Priorität. Wirtschaft und Klimaschutz wurden als Widerspruch angesehen und viele Entscheidungen fielen zugunsten der Wirtschaft und gegen die Umwelt aus: Der harte Faktor Wirtschaft stach den weichen Faktor Umwelt aus. Natürlich geht das nicht auf Dauer gut. Heute bekommen wir die Rechnung präsentiert, weil die Klimaziele nicht erreicht werden.

Aus der bisher als weichen Faktor wahrgenommen Umwelt ist plötzlich ein harter Faktor geworden. Es geht um Zielverfehlung 2020 und 2030, drohende Strafen wegen der hohen Emissionen und Imageverlust des bisherigen Klimavorbilds Deutschland. Viele reiben sich erstaunt die Augen: Wenn man sich nicht um die Umwelt kümmert, kann das also richtig Geld kosten! Bisher hat Umwelt nur Geld gekostet, wenn wir z.B. neue Energietechnologien gefördert haben. Das war eine als „freiwillig“ wahrgenommene Entscheidung, die sich nur Deutschland leisten konnte. Trotzdem gab es dauernd Streit um die als „Subvention“ – also als zusätzliche Belastung – wahrgenommenen Förderungen. Man kann das machen, muss aber nicht.

Was drängt uns denn, unser Klima wieder zu verbessern? Betrachten wir das Argument genauer anhand einer Analogie.

Patient „Klima“ und Wahrscheinlichkeiten

Sie gehen wegen kleiner Beschwerden zum Arzt. Der untersucht Sie und diagnostiziert eine schlimme Krankheit. Bei der Diagnose ist er sich zu 90% sicher. Aber es gibt zum Glück bereits die Technik für eine Therapie, die zwar etwas Geld kostet, aber heilen kann. Der Arzt sagt: bitte beginnen Sie aber recht frühzeitig damit, wenn Sie das überleben wollen! /p>

Was tun Sie? Selbstverständlich sind 90% eine „fast sichere“ Diagnose, ohne Zweifel. Sie fangen also sofort mit der Behandlung an und werden schnell wieder gesund. Dieses Verhalten erscheint uns selbstverständlich – auch wenn wir oft Probleme haben, mit Wahrscheinlichkeiten umzugehen. In der Wirtschaft sind Entscheidungen auf Basis von Wahrscheinlichkeiten selbstverständlich. Eine 90%-Sicherheit ist eine klare Sache – die Diskussionen sind eher kurz und die Entscheidung gilt als gut abgesichert. Nicht so in der Klimapolitik! Da wird um die letzten 10% Unsicherheit erbittert gestritten. Ohne 100%-Sicherheit können wir gar nichts machen! Und das schon seit “Rio 1992“. Die Warnungen der Klimaforscher werden grundsätzlich angezweifelt. Abwarten wird mit der verbleibenden Restunsicherheit legitimiert. Dem Patienten Erde wird die heilende Therapie zunächst vorenthalten. Wenn wir ehrlich sind, gibt es ein solches Entscheidungsverhalten nur in der Klimapolitik. In unserer eigenen Lebenswelt und in der Wirtschaft wäre das völlig absurd!

Als Zwischenfazit halten wir fest: Umweltbelange werden oft als weiche Faktoren in der harten Wirtschaftswelt nicht ganz ernst genommen und der Umgang mit Wahrscheinlichkeiten war noch nie unsere Stärke. Für die letztere Erkenntnis gab es für den Ökonomen Daniel Kahneman 2002 übrigens den Wirtschaftsnobelpreis.

Greta Thunberg

Ökonomischer Faktor Klima

Klimadiskussion

Die Umwelt- und Klimadiskussion hat 2019 plötzlich und unerwartet einen neuen Aufschwung erfahren. Und das ausgerechnet durch ein kleines dünnes Mädchen, das fast noch ein Kind ist. Wie kann das sein? Um das zu ergründen, sollten wir die folgenden zwei Fragen beantworten:

  1. Was kann ein Kind zu einer jahrzehntelangen Fachdiskussion noch beitragen?

  2. Müssen wir ihren Beitrag ernst nehmen?

Zu (1) Ihre Argumentation ist kurz und knapp – trotzdem ist ihr Beitrag immens wichtig. Sie bringt eine neue Perspektive in die Diskussion hinein.

Ihrer genialen wie einfachen Argumentation können ihre Kritiker bisher inhaltlich nichts entgegensetzen. Die Kritiker argumentieren stattdessen, sie solle wieder in die Schule gehen, erstmal Klimaforscherin werden oder sie sei einfach krank.

Also, wie argumentiert sie nun? Sie vermeidet zunächst alle Wahrscheinlichkeitsaussagen. Sie nutzt keine Simulationsergebnisse. Sie braucht keine komplexen Zusammenhänge zu erklären. Sie sagt sinngemäß: Wir verbrauchen heute die Ressourcen von vier Erden, obwohl wir nur eine haben. Daher wird die Differenz einfach aus der Zukunft weggenommen: 4-1 = 3!

Diese Argumentation ist phänomenal einfach verständlich! Sie kann sogar von jedem Kind verstanden werden. Sie verwendet nur allseits bekannte Begrifflichkeiten und Grundrechenarten im Zahlenraum bis 5. Dass die Erde rund und damit natürlicherweise begrenzt ist, hat sich auch schon im Kindergarten rumgesprochen. Wer will das widerlegen?

Die Schlussfolgerung aus dieser Argumentation ist unwiderstehlich kommt sofort zu harten Kern der Sache. Sie ist entwaffnend direkt und erfolgt ohne jeden Umweg. Jeder kann sie sofort nachvollziehen. Aber das Durchschlagende daran ist, dass sie hier rein ökonomisch argumentiert!

Die Übernutzung der Natur um „minus 3 Erden“ ist eine Art gigantischer Schuldschein. Konsumiert werden die Ressourcen der „3 Erden“ aber schon heute. Der Gläubiger ist die heute junge Generation, also unsere Kinder. Die Bedingungen des Schuldscheins sind aus finanztechnischer Sicht optimal zugunsten des Schuldners „ausgehandelt“: kein bindender Vertrag, keine Zinszahlungen, keine hinterlegte Hypothek als Sicherheit, keinerlei Verpflichtung zur Tilgung. Sie sagt: ihr nehmt uns unsere Zukunft weg! Hört sofort auf damit!

Nicht das dieser Gedankengang zu schwer für Erwachsene ohne BWL-Ausbildung ist. Wir verstehen das natürlich, auch ohne groß darüber nachzudenken. Neu ist daran nur, dass jetzt auch die Kinder ihre undankbare Rolle in dieser gigantischen Transaktion klar erkannt haben und nicht damit einverstanden sind – für sie gibt es den „ökonomischen Faktor Klima“.

Abschießend die Antwort auf Frage (2): Ja, wir sollten sie sehr ernst nehmen!

Solarautonomie, 18.08.19

UN-Klimakonferenzen: https://de.wikipedia.org/wiki/UN-Klimakonferenz

Portal:Klimawandel: https://de.wikipedia.org/wiki/Portal:Klimawandel

Geologische Sicht auf den Klimawandel, Uni Jena: http://www.structures.uni-jena.de/igwstkmedia/Lehre/BGEO1_1_EinfGeowiss/Klimawandel_UK200106.pptx